Roland aus Bonn und Barei aus Tel Aviv – Meet a jew am Gymnasium Gerabronn

Die Online-Begegnung der 10.-Klässler*innen mit jüdischen Menschen fand in diesem Jahr mit Roland aus Bonn und Barei aus Tel Aviv statt.

Roland wurde 1952 als Kind von jüdischen Eltern in Israel geboren, die vor dem Holocaust aus Deutschland geflüchtet waren. Nach deren Rückkehr im Jahr 1957, so betonte er, wollten diese ihr Jüdisch-Sein nicht offen leben, weswegen er nicht in jüdischem Glauben erzogen wurde. Er stellte sich als Vertreter des säkularen Judentums vor, der als Sohn einer jüdischen Mutter zwar zum Volk der Juden gehört, diese Religion aber nicht aktiv praktiziert. Er ist mit einer Katholikin verheiratet und ihre drei Kinder wurden katholisch erzogen, aber mit Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Religionen. Dennoch war es ihnen wichtig, ihren Töchtern jüdische Vornamen zu geben. Roland berichtete auch vom jüdisch-christlichen Dialog, in dem er und seine Frau in Bonn engagiert sind.

Barei war als junger Mann und Vertreter des orthodoxen Judentums zugeschaltet. Der Medizinstudent, der fließend Persisch, Englisch, Deutsch und Hebräisch spricht, lebt mit seiner Frau und seinen kleinen Kindern in der Nähe von Tel Aviv, hat aber bis vor kurzem 14 Jahre in Düsseldorf gelebt. In seinem Leben spielt die jüdische Religion eine große Rolle, so dass er den Zuhörenden perfekt Auskunft geben konnte über die Einhaltung der Speisegesetze sowie die jüdischen Herbst-Feiertage Jom Kippur (der große Versöhnungstag, das wichtigste jüdische Fest), Rosch Haschana (das jüdische Neujahrsfest), Sukkot (Laubhüttenfest) und Simchat Tora, das Freudenfest über die Tora, das erst vergangene Woche gefeiert wurde.

Anders als in Düsseldorf sei das tägliche Gebet in Israel einfacher zu bewerkstelligen, weil im Umkreis ca. 30 Synagogen liegen. Den Schülerinnen und Schülern wurde durch seine Erzählungen klar, dass das dreimal tägliche Gebet mit anderen (Männern) in Gemeinschaft vollzogen wird.

Roland und Barei berichteten beide auch über Erfahrungen von Antisemitismus in ihrem Alltagsleben in Deutschland. So versteckte Barei in seiner Zeit in Düsseldorf seine Kippa immer unter einer Schildmütze, um sich nicht zu offensichtlich als Jude zu outen. In seiner aktiven Zeit bei Makkabi Düsseldorf waren antisemitische Erfahrungen auf und außerhalb des Fußballplatzes Alltag.

So unterschiedlich beide Vertreter des Judentums auch sind, einig sind sie in ihrem Einstehen für den interreligiösen Dialog, im Einstehen für Demokratie und für die Kultur des Gesprächs. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar, denn diesem Umstand verdanken wir eine spannende Stunde mit vielen Einblicken.

Bettina Rüther-Jakob

 

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